kamishibai

Fernseher ohne Flimmern

Die Türen des Kamishibais öffnen sich. Der Blick fällt auf die „Bühne“, auf ein großes Bild. Mit ruhigen Handbewegungen wird in langsamer Folge zum nächsten Bild gewechselt. Dazu wird eine Geschichte vorgelesen oder frei erzählt.

Die Kinder fühlen sich persönlich angesprochen – und staunen! Was sich hier vor ihren Augen und Ohren abspielt, zum Schauen, Lauschen und Sprechen einlädt, heißt „Erzählen mit Kamishibai“.

Alt aber nicht altmodisch

Die Kunst ist alt, die Methode jedoch auch und gerade im Zeitalter der neuen Medien keineswegs „altmodisch“. Denn Zuhören, in Bildern lesen, Kommunizieren und Handeln gelten als Grundlagen für  Medienkompetenz.

Das Kamishibai steht in der Tradition der visuellen japanischen Erzählkunst. Vorläufer lassen sich bis ins 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurückverfolgen. Von seiner zusammengesetzten Wortbedeutung her ist „Kamishibai“ am besten mit „Papiertheater“ (kami = Papier, shibai = Theater) zu übersetzen.

Straßenkino auf dem Fahrrad

Im Ursprungsland Japan erlebte das Kamsihibai vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts als populäres „Straßenvergnügen“ seine Blütezeit: „Kamishibai-Männer“ fuhren mit ihren Fahrrädern als „fliegende Händler“ über Land, riefen mit klappernden Holzklötzen die Kinder herbei, präsentierten eine Bildergeschichte und kurbelten so den Verkauf von Süßigkeiten an.

Das Kamishibai in dieser „Straßenkino-Form“ verlor mit der wachsenden Beliebtheit von Fernsehgeräten in den 1950er an Attraktivität – bis die Internationale Kinderbuchmesse in Bologna rund 25 Jahre später das Thema vor allem im Kreise von Vermittlern von Kinderliteratur weltweit ins Gespräch brachte und den kreativ einsetzbaren „Fernseher ohne Strom“ zu neuer Popularität verhalf.- erst in einzelnen Ländern Europas und seit etwa drei Jahren auch mit wachsender Beliebtheit in Deutschland.